Die anhaltende Trockenheit setzt die Trinkwasserversorgung in Tuttlingen unter Druck. Die Stadtwerke Tuttlingen (swt) reagieren darauf mit einer Ausweitung der Bodenseewasserversorgung und einem erneuten Appell an die Bevölkerung, den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren.

Nach Angaben der Stadt besteht das Niederschlagsdefizit bereits seit dem Frühjahr. Die Pegelstände der Gewässer liegen auf historisch niedrigem Niveau, außerdem stehen die Grundwasservorkommen weiter unter Druck. Besonders angespannt ist die Lage am Brunnen Riedgraben, der rund zwei Drittel des Wasserbedarfs in Tuttlingen deckt. Wegen der anhaltend hohen Entnahme kann sich das dortige Wasservorkommen derzeit nicht ausreichend erholen.

Welche Bereiche künftig Bodenseewasser erhalten

Das bisherige Versorgungsgebiet mit Bodenseewasser umfasst den Bereich südlich der Möhringerstraße. Künftig wird auch das Gebiet zwischen der Möhringerstraße und der Donauader mit Bodenseewasser beliefert. Die Weimarstraße ist von dieser Erweiterung ausgenommen. Dieser Bereich wurde bislang mit Eigenwasser aus dem Brunnen Riedgraben versorgt.

Die Umstellung ist für Montag, 12. Oktober, und Dienstag, 13. Oktober 2026, vorgesehen. Sie soll schrittweise Straßenzug für Straßenzug erfolgen, damit mögliche Verwirbelungen im Leitungsnetz möglichst gering bleiben. Nach Angaben der swt soll die vollständige Umstellung bis zum Abend abgeschlossen sein. Die betroffenen Haushalte werden per Briefkasteneinwurf informiert.

Was sich beim Trinkwasser ändern kann

Das Bodenseewasser liegt im mittleren Härtebereich und ist damit weniger hart als das bisher eingespeiste Wasser aus dem Riedgraben. Die detaillierten Wasseranalysewerte stellen die Stadtwerke auf ihrer Website bereit.

Durch die Umstellung kann das Trinkwasser vorübergehend trüb werden. Die swt stuft diese Trübung als gesundheitlich unbedenklich ein. Betroffene sollen das Wasser laufen lassen, bis es wieder klar ist. Veränderungen beim Wasserdruck werden nach derzeitiger Einschätzung nicht erwartet, weil die beiden Wasserhochbehälter für die bisherige und die künftige Versorgung auf gleicher Höhe liegen.

Stadtwerke bitten um weniger Verbrauch

Die Stadtwerke hatten bereits im August zum Wassersparen aufgerufen. Nun bitten sie erneut darum, unnötigen Verbrauch zu vermeiden. Auch bei öffentlichen Einrichtungen wird der Wasserverbrauch reduziert: Bei Feuerwehrproben sowie bei der Bewässerung öffentlicher Grünanlagen, Sport- und Freizeiteinrichtungen soll nur noch das notwendige Maß eingesetzt werden. Die öffentlichen Trinkwasserbrunnen der swt sind ebenfalls abgeschaltet. Dies geschieht normalerweise jedes Jahr im Oktober und spart in der aktuellen Situation zusätzlich Wasser.

Für private Haushalte empfehlen die Stadtwerke unter anderem, Pools möglichst nicht oder nur eingeschränkt zu befüllen und Poolabdeckungen zu nutzen. Zisternen und private Wasserbehälter sollen derzeit ebenfalls möglichst nicht oder nur eingeschränkt befüllt werden. Gärten sollten gezielt und sparsam, möglichst am frühen Morgen oder am späten Abend, bewässert werden. Zierbrunnen und Wasserspiele können vorübergehend außer Betrieb bleiben.

Weitere Empfehlungen sind, Rasen nicht zu kurz zu mähen, trockenheitsverträgliche Pflanzen zu verwenden und Fahrzeuge nicht mit Trinkwasser zu waschen. Außerdem raten die swt zu kurzen Duschen statt Bädern, wassersparenden Armaturen sowie Wasch- und Spülmaschinen, die erst bei voller Beladung eingeschaltet werden.