Die Zukunft der Dornierstraße sorgt in Tuttlingen für heftigen Streit: Hunderte Besucher kamen am Dienstag zur Informationsveranstaltung in die Angerhalle, um über die Pläne von Stadt und B. Braun Aesculap zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Straße für eine Erweiterung der Aesculap-Logistik genutzt werden kann – und welche Folgen das für den Verkehr und die Bewohner der Vorstadt hätte.
Oberbürgermeister Michael Beck und Vertreter von B. Braun Aesculap erläuterten die bisherigen Überlegungen. Die Diskussion verlief laut Stadt äußerst kontrovers und emotional. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen: Über die künftige Lösung für den Autoverkehr soll letztlich der Gemeinderat entscheiden.
Aesculap stellt 250 Arbeitsplätze in Aussicht
Für Aesculap hat das Vorhaben nach Darstellung des Unternehmens eine zentrale Bedeutung. Vorstandsmitglied Dr. Jens von Lackum verwies auf die geplante Innovation Factory, die im Herbst 2027 in Betrieb gehen soll. Dann werde sich die Zahl der Fahrten zwischen den Werksteilen nahezu verdoppeln. Eine öffentliche Straße zwischen den Betriebsteilen werde dadurch zunehmend hinderlich.
Noch wichtiger sei die geplante Erweiterung des Logistikgebäudes. Das Werksgelände sei größtenteils bebaut und zwischen Bundesstraße und Hang eingeengt. Als verbleibende Fläche komme deshalb aus Sicht des Unternehmens nur die Dornierstraße infrage. Von Lackum formulierte die mögliche Konsequenz deutlich: „Falls eine Erweiterung in Tuttlingen nicht möglich ist, kommt die Zentrallogistik ins Ausland.“ Dies betreffe auch die bestehende Logistik mit ihren 250 Arbeitsplätzen. „Wenn die Logistik einmal im Ausland ist, wird definitiv nicht mehr in Tuttlingen gebaut – das ist eine wirtschaftliche Tatsache.“
Oberbürgermeister Beck betonte die Bedeutung des Erhalts von Arbeitsplätzen in der Stadt. Er verwies zugleich darauf, dass sich Umwege für den Autoverkehr künftig voraussichtlich nicht vermeiden ließen. Für Radverkehr, öffentlichen Nahverkehr und Rettungsfahrzeuge seien nach Angaben von Manuel Holzweißig, der bei Aesculap für Bauwesen und Infrastruktur zuständig ist, bereits Lösungen gefunden worden.
Tunnel, Brücke und Ampel verworfen
Mehrere Alternativen für den Autoverkehr wurden geprüft. Ein Tunnel sei wegen der erforderlichen Neigung nicht realistisch: Die Rampen müssten insgesamt 150 Meter lang sein, sodass nur 50 Meter für den eigentlichen Tunnel blieben. Eine Brücke würde wegen des mehr als 20 Meter hohen Logistikgebäudes sehr große Auffahrten erfordern und wäre technisch kaum machbar sowie unbezahlbar. Auch eine Ampel, die Werks- und öffentlichen Verkehr trennt, wurde wegen drohender Rückstaus verworfen.
Viele Teilnehmer brachten die Tunnel- und Brückenvarianten dennoch erneut ins Gespräch. Besonders umstritten war die Aussicht, dass sich die Fahrstrecke für einen Teil der Vorstadt-Bewohner verlängern könnte. Verständnis für die Position von Aesculap zeigte in der Diskussion nach Darstellung der Stadt kaum jemand. Applaus erhielt unter anderem die Frage, welchen konkreten Vorteil Nicht-Beschäftigte von dem Neubau hätten. Die Entscheidung über die Dornierstraße liegt nun beim Gemeinderat.